Rollentausch mit Mama

„Bist du fertig mit anziehen?!“ Fragt Mama Isa. Mama ist mal wieder im Stress. Sie hat an diesem Tag jede Menge Termine und die Zeit läuft ihr davon. Alles muss an diesem Morgen einmal wieder schnell gehen. „Isa … zieh dich jetzt bitte an.“ Mama rennt von einem Zimmer ins andere während Isa im Badezimmer auf dem Boden sitzt und spielt. Klar hat sie Mama gehört. Laut genug gerufen hat sie ja. Isa hört Mama immer wenn sie etwas sagt, aber sie ist viel zu sehr in ihr Spiel vertieft als das sie sich jetzt um Mamas Wünsche kümmern könnte. Sie spielt gerade Spirit den wilden Mustang. Das ist das Pferd aus einem ihrer Lieblings Filme. Und jetzt gerade soll er von dem bösen Mann gezähmt werden. Das ist eine heikle Situation die ihre volle Konzentration bedarf. Wenn sie nicht aufpasst gelingt es dem Mann.

Also bäumt sie sich auf. Springt herum und schüttelt sich. Sie kämpft und will den Mann von ihrem Rücken runter bekommen. Zähmen? Nicht mit Spirit dem wilden Hengst!

„Isa!“ Mama ruft schon wieder.

„Ja, Mama.“ Isa fängt an sich umzuziehen. Doch es dauert nicht lange, da springt der böse Mann erneut auf Spirits Rücken . Das lässt dieser sich natürlich nicht gefallen. Spirit ist ein Wildpferd, ein Hengst. Dieses Pferd lässt sich von niemanden zähmen. Und reiten schon garnicht!

Isa kämpft als Spirit einen erbitterten Kampf. Es geht um Leben und Tod. Jede Bewegung von ihr ist darauf ausgerichtet den Mann von ihrem Rücken zu werfen. Er oder sie?! Es kann nur einen Gewinner geben und sie weiß ganz genau das sie den Sieg davon tragen wird.

„ISA!“ Mama kommt ins Badezimmer und ist wütend. Sie schreit nun fast. „Aber Mama, … “ versucht sich Isa zu erklären. „Nichts aber! Verdammt noch mal! Du sollst dich umziehen!“ Wettert und schimpft Mama jetzt. „Jeden Tag das Gleiche Theater.“ Mama ist sauer. Richtig sauer. Und wie. Sie schäumt vor Wut.

Isa kommen die Tränen. Mama hört ihr überhaupt nicht zu. Sie schimpft nur und wird lauter. Aber Isa hat doch gar nichts gemacht. „Hör auf zu weinen und zieh dich jetzt um.“ Isa versucht ihre Tränen zu unterdrücken, aber es gelingt ihr nicht. Die Tränen kullern nur noch mehr.

Nun geht Mama wieder „Wenn ich zurück komme bist du umgezogen.“ sagt sie noch und macht die Tür wütend hinter sich zu.

Zurück bleibt ein kleines Häufchen Elend. Unter Tränen und noch immer schluchzend, zieht Isa sich nun an. Spirit und sein Überlebenskampf sind vergessen. Was bleibt ist der große Kummer über den Streit mit Mama. Das wollte sie doch gar nicht, Mama wütend machen. Sie wollte doch nur verhindern das der böse Mann es schafft Spirit zu zähmen und zu reiten.

Während Isa sich nun endlich umzieht sitzt Mama niedergeschlagen im Wohnzimmer auf dem Sofa. Auch ihr stehen kleine Tränchen in den Augen. Sie hatte nicht so streng und laut mit ihrer Tochter schimpfen wollen. Schon wieder. Sie ärgert sich. Sicher hätte sie auch anders reagieren können, doch sie hat es einmal mehr nicht geschafft. Isa ist gerade einmal 5 Jahre alt. In diesem Alter ist es noch schwer ihr begreiflich zu machen wie wichtig es ist pünktlich zu sein. Zeit versteht ihre Tochter eben einfach noch nicht richtig.

Als Isa angezogen ins Wohnzimmer kommt, sehen sich beide eine Weile stumm an. Eine unangenehme und bedrückende Stimmung liegt in der Luft. Dann geht Isa auf ihre Mama zu und diese breitet ihre Arme aus und nimmt ihre Tochter ganz fest in die Arme. „Es tut mir leid. Ich wollte nicht so böse sein.“ Sagt Mama leise und drückt sie an sich. Isa schluchzt und kuscheln sich ganz eng an ihre Mama. Streit mit ihrer Mama mag sie gar nicht und tut ihr immer ganz dolle weh.

„Ich habe eine Idee.“ Sagt Mama. „Morgen machen wir es einmal anders.“ Isa sieht ihre Mama neugierig an.

„Morgen tauschen wir die Rollen, dann darfst du einmal die Mama sein.“ Isa strahlt über das ganze Gesicht. Die Idee gefällt ihr gut. Aber eine Sache weiß sie schon jetzt, schimpfen wie Mama wird sie ganz sicher nicht! Sie wird eine liebe Mama sein.

Am nächsten Tag klingelt der Wecker um 06:30 Uhr. Er klingelt und klingelt und klingelt. Doch Mama steht nicht auf. Heute ist es Isa`s Aufgabe auf den Wecker zu reagieren und zu tun was Mamas eben so tun.

Es dauert eine Weile bis sich Isa daran erinnert das sie heute die Rollen tauschen wollten, doch als es ihr wieder einfällt steht sie auf, macht den Wecker aus und geht zu Mama. „Mama, aufstehen.“ Sagt sie und beugt sich über sie. Doch Mama reagiert nicht. „Mama.“ Wiederholt sie und versucht ihrer Mutter die Decke weck zu ziehen. „Mmmmm….“ Macht Mama nur. Dreht sich um und schläft einfach weiter. Eine Weile sitzt Isa da und sieht ratlos auf ihre schlafende Mama. Ok, wenn sie nicht aufstehen will dann eben anders. Schnell rennt sie in ihr Zimmer und holt ihre kleine Trommel. Die, die immer so schön laut ist und über die sich Mama und Papa oft ärgern weil sie sich in Ruhe unterhalten wollen. Mit der Trommel in der Hand stellt sie sich nun neben Mamas Bett und fängt ganz laut an damit zu trommeln. Neben bei ruft sie noch „Mama, aufstehen. AUFSTEHEN! MAMA!“ Sie macht ordentlich Krach und um so länger sie es macht um so mehr Spaß hat sie dabei. Das ist richtig toll und sie hätte richtig Lust das jeden Tag zu machen. Sie sollte viel öfter Mama spielen.

Und tatsächlich, es dauert nicht lange da steht Mama endlich auf. Sie streckt sich und gähnt laut. „Ist ja gut meine Süße. Ich stehe ja schon auf.“ Isa ist zufrieden und grinst über das ganze Gesicht. Ja, sie ist zufrieden mit sich. Das hat sie richtig gut gemacht. Mama sein ist gar nicht schwer und Spaß macht es auch noch.

Doch als sie sich wieder umdreht liegt Mama wieder im Bett und hat sich erneut unter die weiche Decke gekuschelt. „MAMA!“ Ruft Isa ärgerlich. So geht es jetzt aber wirklich nicht. „Steh auf und geh dich anziehen.“ Sagt sie und zieht am Arm ihrer Mama. Widerspenstig steht diese auf und lässt sich von ihrer Tochter ins Badezimmer schleifen. „So, und jetzt gehst du auf die Toilette, ziehst dich um und putzt deine Zähne. Und danach machen wir meine Brotdose für den Kindergarten.“ Sagt Isa entschieden und geht mit verschränkten Armen aus dem Badezimmer. Hinter sich macht sie die Tür zu. Das hat sie gut gemacht. Denkt Isa. Ja, sie hat Mama gezeigt wer heute das Sagen hat. Heute ist Isa`s Wort einmal Gesetzt und Mama muss machen was sie sagt.

Und was jetzt? Isa sieht sich um. Was soll sie als nächstes machen?

Ach ja, sie muss sich ja auch noch umziehen. Schnell rennt sie in ihr Zimmer und zieht sich um. Als sie anschließend ins Badezimmer geht um sich dort die Zähne zu putzen sieht sie ihre Mama auf dem Boden sitzen. Jedoch immer noch im Schlafanzug. „Mama.“ Sagt Isa und sieht ihre Mama verwirrt an. „Was machst du da?“ Fragt sie. „Ich spiele Pirat.“ Sagt Mama und zeigt Isa eine kleine Figur die sie in der Hand hat. „Die Piraten kämpfen gerade um einen großen Goldschatz.“ Spricht Mama weiter und spielt vor den Augen ihrer Tochter weiter.

„Oh toll.“ Ruft Isa und setzt sich zu ihrer Mama dazu. „Ich will auch mitspielen.“ Ruft sie. Doch Mama ermahnt sie. „Das geht nicht mein Schatz. Du vergisst das du heute die Mama bist und das du noch die Brotdose machen musst und anschließend in den Kindergarten gehen musst. Für Spielen ist keine Zeit.“ Mama lächelt ihre Tochter an und dann wendet sie sich wieder ihrem Spiel zu. Eine Weile sieht Isa ihrer Mama beim Spielen zu. Ach wie gerne würde sie jetzt auch Pirat mitspielen. Das sieht wirklich toll aus. Aber Mama hat recht, denkt sich Isa und erinnert sich daran das sie ja heute die Mama ist. „Mama, hör jetzt bitte auf mit Spielen und zieh dich um.“ Sagt sie und geht schnell wieder aus dem Badezimmer. Wenn sie noch länger da bleibt hat sie sonst gleich keine Lust mehr auf Mama sein und will lieber mit Pirat spielen.

Draußen vor dem Badezimmer wartet Isa nun eine Weile. Wie lange dauert es bis Mama sich umgezogen hat? Da kommt Papa vorbei und sieht seine Tochter fragend an. „Was machst du da mein Schatz?“ Fragt er. „Mama und ich haben heute die Rollen getauscht und jetzt soll Mama sich umziehen. Aber sie spielt Pirat und ich will auch so gerne mitspielen.“ Platzt es aus ihr heraus. „Aha.“ Sagt dieser nur und sieht auf die Uhr. „Wenn das so ist, dann sag deiner Mama mal das sie sich beeilen soll. Ihr müsstet jetzt schon auf dem Weg zum Kindergarten sein.“ Er streichelt seiner Tochter noch kurz den Kopf und geht dann weiter in die Küche.

Toll. Denkt sich Isa. Papa ist ihr hier auch keine große Hilfe. Aber eines hat sie verstanden. Mama muss sich beeilen sonst kommen sie zu spät in den Kindergarten. Für gewöhnlich ist ihr das eigentlich nicht wichtig, aber ausgerechnet heute kommt jemand vom Zirkus in den Kindergarten und bringt eine Schlange mit. Das will sie auf keinen Fall verpassen.

„Mama.“ Isa steckt den Kopf zur Badezimmer Tür herein. „Bist du fertig?“

Mama sitzt seelenruhig auf dem Boden und hat aus den Zahnbechern einen Turm gebaut. Sie sieht zu ihrer Tochter und lächelt sie an. „MAMA!“ Isa ist sauer. „Mama, du sollst dich anziehen und fertig machen. Ich komme zu spät zum Kindergarten und verpasse die Schlange.“ Während sie das sagt kommen ihr kleine Tränchen in die Augen. Mama ist gemein. Sie soll aufhören so zu trödeln und machen was sie ihr gesagt hat. „Aber Isa, …“ sagt Mama und sieht ihre Tochter unschuldig an. „Die Piraten wollten das ich ihnen einen hohen Auskuck baue damit sie ihre Feinde schon von Weitem erkennen können. Sieh.“ Sagt Mama und stellt daraufhin eine Figur auf die Spitze des Turmes. Aber Isa ist das jetzt total egal. Sie denkt nur noch an die Schlange die heute kommen soll. Sie wollte diese unbedingt sehen und streicheln. Das soll eine richtig große sein. Eine echte und richtig große, tolle Schlange. Und Papa hat auch gesagt das sie schon auf dem Weg sein sollten. „Hör AUF!“ Schreit sie jetzt ihre Mama an. Denn diese hat wieder angefangen zu spielen und zieht sich immer noch nicht um. „Hör auf damit. Du sollst dich gefälligst wie eine Mama benehmen.“ Isa ist außer sich und findet den Rollentausch mit ihrer Mama einfach nur noch doof. Was für ein blödes Spiel. Und außerdem macht ihre Mama eh nicht was sie ihr sagt. Sie macht einfach was sie will und hört überhaupt nicht.

„Ok, mein Schatz.“ Sagt Mama und nimmt ihre Tochter in den Arm. „Wollen wir unsere Rollen wieder tauschen? Soll ich wieder die Mama sein und du bist einfach nur meine Tochter?“ Fragt sie nun ihre kleine und streichelt ihr den Kopf. „Ja.“ Sagt Isa schluchzend. „Dann lass mich mal aufstehen damit ich mich schnell anziehen kann und wir noch pünktlich zum Kindergarten und zur Schlange kommen.“ Sagt diese nun und zwinkert ihrer Tochter zu.

Als die Beiden am Kindergarten ankommen sind sie gerade einmal 5 Minuten später als sonst dran. Der Mann vom Zirkus ist noch nicht dagewesen und Isa hat die Schlange nicht verpasst. Isa strahlt über das ganze Gesicht und ist erleichtert. Als sie sich von ihrer Mama verabschiedet flüstert sie ihr ins Ohr. „Mama, Rollentausch spielen wir so schnell nicht wieder. Ok?“ Mama lacht und drückt ihre Tochter fest an sich. „Ist ok meine Süße. Und du ziehst dich ab sofort dann aber bitte auch gleich um wenn ich es dir sage.“ Sie lächelt ihre Tochter an und Isa nickt. „Versprochen.“ sagt sie und rennt dann in ihre Gruppe.

Mama sieht ihrer Tochter nach und seufzt. Na, mal abwarten ob sie sich morgen noch an ihr Versprechen erinnert. Denkt sie bei sich und macht sich auf den Weg zur Arbeit.

Autor: Andrea Laukamp

 


Das Hörspiel zur Geschichte:


 

Es kann sein das sich in meine Geschichte der eine oder andere kleine Fehler eingeschlichen hat. Für den Fall das Dir ein solcher beim Lesen aufgefallen ist, bitte ich Dich diesen einfach wohlwollend zu „überlesen“.

 

Wolken

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Mit Lieben Grüßen

Andrea

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