Isa und der Nashorn-Käfer


Isa und Mama waren einmal wieder spät dran, als sie das Haus verließen, um mit dem Auto zum Kindergarten zu fahren. „Isa, beeil dich bitte, ich komme sonst …“, in diesem Moment hielt Mama inne und ihre Augen wurden mit einem Schlag größer. „Ach du meine Güte!“, hauchte sie. Ihr Blick war starr auf eine Stelle am Boden, direkt neben der Haustür gerichtet. Isa beobachtete ihre Mama und folgte dann neugierig ihrem Blick.

Auf dem Boden lag ein auf dem Rücken liegender riesengroßer, brauner Käfer. Der Käfer zappelte mit den Beinen in der Luft und schien von alleine nicht wieder auf die Beine zu kommen. „Was ist das?“, wollte Isa wissen. Sie ging, ebenso wie ihre Mama, in die Hocke, um sich den Käfer besser ansehen zu können. Mama nahm einen Zipfel von ihrer Jacke und drehte damit vorsichtig den Käfer um, so dass dieser wieder auf seinen Beinen stehen konnte.

„Oh!“, staunte Isa. Das war wirklich ein großer Käfer. Einen so großen hatte sie noch nie in ihrem Leben gesehen. „Ich glaube es nicht!“ Mama war total aus dem Häuschen. „So einen Käfer habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen“, sagte sie und nahm dabei behutsam den Käfer auf ihre Hand. „Ich dachte, die würde es gar nicht mehr geben und sie wären schon längst ausgestorben. Weist du, was das für ein Käfer ist?“, frage sie Isa. „Nein“, sagte diese, und sah dabei interessiert dem Käfer zu. „Das ist ein Nashorn-Käfer“, sagte Mama. „Darf ich ihn mal auf die Hand nehmen?“, fragte Isa. Sie war mindestens genauso aufgeregt, wie ihre Mama. Sie liebte Käfer! Und dieser hier war nicht nur der größte, sondern auch der schönste, den sie je gesehen hatte.

Isa und der Nashorn-Käfer - Lese- und Hörspielgeschichten für Kinder und ihre Eltern

„Hier. Aber sei bitte ganz vorsichtig. Das ist ein ganz seltener Käfer.“ Mama hielt ihre Hand, in die sie den Käfer genommen hatte, an die von Isa und ließ den Käfer behutsam auf Isas Hand rüber kabeln. „Hihi, das kitzelt!“ Isa lief ein kleiner angenehmer Schauer über den Rücken, als der Käfer mit seinen Beinen auf ihrer Hand zu krabbeln anfing. „Das liegt an seinen kleinen Wiederhaken an seinen Beinen. Die braucht er, damit er nicht einfach runter fällt und damit er sich an Pflanzen festhalten kann“, erklärte Mama.

„Ok, wir müssen jetzt zum Kindergarten. Wir können den Käfer ja mitnehmen, wenn du magst.“ Mama stellte sich wieder hin. „Au ja, das will ich!“, sagte Isa begeistert. Natürlich wollte sie den Käfer mitnehmen. Was für eine Frage.

Während die beiden langsam zum Auto gingen, achtete Isa darauf, das der Nashorn-Käfer nicht von ihrer Hand runter fiel. Er krabbelte von einer Hand auf die andere. Isa war regelrecht in diesen süßen Käfer verliebt. So ein toller Käfer! Am liebsten hätte sie ihn als neues Haustier gleich mit nach Hause genommen.

„So, jetzt gib mir bitte kurz den Käfer. Ich halte ihn solange du einsteigst und dich anschnallst“, sagte Mama, als sie beim Auto angekommen waren. Leicht wiederstrebend überließ Isa ihrer Mama den Käfer. Als sie sich hingesetzt und angeschnallt hatte, gab Mama ihr den Käfer aber sofort zurück.


Im Kindergarten angekommen dauerte es nicht lange, bis sich eine Schaar Kinder um Isa und den Nashorn-Käfer versammelt hatten. So einen Käfer hatten auch ihre Freunde noch nie zuvor gesehen. Sogar die Erwachsenen sahen sich interessiert den Käfer an. „Das ist aber ein toller Käfer!“, sagte die Leiterin des Kindergartens, die neugierig dazu gekommen war. „Das ist ein Nashorn-Käfer. Wir haben ihn heute vor unserem Haus gefunden“, verkündete Isa stolz. „Magst du ihn auch einmal auf die Hand nehmen?“, sie hielt ihr die Hand mit dem Käfer hin. „Sehr gerne“, sagte diese und streckte ihre Hand aus, damit der Käfer auf ihre Hand krabbeln konnte.

Eine Weile krabbelte der Käfer nun fleißig auf der Hand von der Kindergarten Leiterin herum. Dann ließ diese ihn wieder auf Isas Hand zurück krabbeln. „Ich glaube, ich hole mal ein kleines Glas, in das wir ihn setzten können“, sagte eine der Kindergärtnerinnen aus Isas Gruppe. Als sie zurück kam setzte Isa den Käfer vorsichtig in das Glas. „Dies ist ein ganz besonderes Glas“, verkündete die Kindergärtnerin. „Im Deckel befindet sich eine Lupe, mit der wir uns den Käfer noch besser ansehen können und das Glas hat auch Luftlöcher, damit der Käfer atmen kann.“ Isa und die anderen Kinder beobachteten den Käfer fasziniert durch die Lupe. Dank der Lupe konnten sie ihn noch besser betrachten.

„Na, ich glaube, ich kann dann mal wieder los.“ Mama hatte bis jetzt bei Isa und den anderen gestanden. „Pass gut auf den Käfer auf und lass ihn nicht fallen. Und später lasst ihr ihn frei. Ok?!“ Isa nickte. „Ist ok“, sagte sie. „Gut. Dann bis später und viel Spaß.“ Mama wandte sich zum Gehen. Isa die intensiv mit dem Käfer beschäftigt war, verabschiedet sich nur kurz von ihrer Mama. Dann setzte sie sich an einen der großen Tische und die anderen Kinder versammelten sich mit ihr um das Glas, in dem der Käfer saß.

Als Mama zurück zum Auto ging, um zur Arbeit zu fahren, lächelte sie. Was für ein toller Start in den Tag. Dass sie einen Nashorn-Käfer nach so langer Zeit einmal wieder finden würde, hatte sie beim besten Willen nicht erwartet. Und so freute sie sich riesig darüber, dass nun auch ihre Tochter einen Nashorn-Käfer hatte sehen können. Wer konnte schon wissen, ob sie in ihrem Leben noch einmal einen solch seltenen Käfer finden würden.


Als Mama einige Stunden später Isa vom Kindergarten abholte, hatten die Kinder zusammen mit den Kindergärtnerinnen eine Kiste für den Nashorn-Käfer schön zurecht gemacht. Sie hatten Blätter, Baumrinde und ein kleines Schälchen mit Wasser dort hinein gelegt. Der Käfer krabbelte fleißig in seinem neuen Haus herum. „Hallo, meine Süße!“, sagte Mama und nahm Isa freudig in die Arme. „Wie war dein Tag?“ „Toll!“, sagte Isa und zeigte Mama stolz das neue Zuhause des Nashorn-Käfers. „Das ist aber eine schöne Kiste“, meinte Mama und bestaunte das neue Zuhause des Käfers.

Isa und der Nashorn-Käfer - Wolken Sternchen - Lese- und Hörspielgeschichten für Kinder und ihre Eltern

Isa hatte den ganzen Tag auf den Nashorn-Käfer aufgepasst und sich um ihn gekümmert. Er war bei ihr und den anderen Kindern auf der Hand herum gekrabbelt und Isa hatte sich mit ihm angefreundet. Jetzt waren Isa und der Käfer dicke Freunde geworden. „Weißt du, wie der Nashorn-Käfer jetzt heißt?“, fragte Isa ihre Mama. „Nein. Verrätst Du es mir?“ „Er heißt Stefan“, sagte Isa und streichelte behutsam und zärtlich über den Rücken von Stefan. „Hallo, Stefan. Schön dich kennen zu lernen“, sagte Mama und beobachtete den großen Käfer auf Isas Hand.

„Jetzt wird es aber Zeit, dass wir ihn wieder in die Freiheit entlassen.“ Mama sah Isa auffordernd an. „Ich möchte ihn aber mit nach Hause nehmen und behalten.“ Isa sah mit großen Augen ihre Mama bittend an. „Das geht nicht, meine Süße. Der Käfer gehört in die Freiheit. Und wenn er ganz viel Glück hat, findet er einen anderen Nashorn-Käfer, mit dem er sich anfreunden kann. Das kann er aber nur, wenn er wieder frei gelassen wird.“ Während Mama das sagte, stiegen kleine Tränchen in Isas Augen. Sie hatte Stefan, ihren Käfer, inzwischen so dolle lieb gewonnen und wollte ihn gerne als Haus-Käfer mit zu sich nach Hause nehmen. Doch Mama blieb unnachgiebig und beharrte darauf, Stefan wieder frei zu lassen.

Schweren Herzens gingen Isa, Mama und die Kindergärtnerin schließlich in einen Teil des Gartens, an dem es ruhig und sicher war und die anderen Kinder Stefan nicht wieder einfangen konnten. Isa hielt die Kiste mit Stefan fest in ihren Armen. „Dann such dir mal einen schönen Platz im Schatten aus, an dem du ihn frei lassen möchtest.“ Mama legte eine Hand auf Isas Schulter. Sie wusste, wie schwer das für ihre Tochter war, aber es war am besten so.

Nach einigem Suchen fand Isa einen schönen Platz im Schatten, direkt unter einer Hecke und setzte Stefan behutsam auf den Boden. „Mach es gut Stefan“, schluchzte sie.

Kaum hatte Isa ihn auf den Boden gesetzt, krabbelte Stefan zielstrebig in Richtung Hecke. „Siehst du, wie er sich freut?“, fragte Mama. „Ja“, Isas Stimme war leise und schwach vor Kummer. Und nun kamen ihr die Tränen, ohne das sie diese noch weiter zurück halten konnte. Sie hatte ihren Stefan so lieb gewonnen. Er war ein so toller Käfer. Wie gerne sie ihn doch behalten und mit nach Hause genommen hätte. Sie schluchzte so laut, das es Mama fast das Herz brach.

„Weißt du meine Süße“, sagte Mama und ging neben ihr in die Hocke. „Nur weil du ihn jetzt frei lässt, heißt das nicht, das ihr keine Freunde mehr seit.“ Isa sah mit Tränen in den Augen fragend zu ihrer Mama hoch. „Eine echte Freundschaft besteht auch dann, wenn man sich nicht sieht. Oft reicht es einfach aus, das man weiß, dass es den anderen gibt und man sich sehr gerne hat. Und wer weiß, eventuell besucht dich Stefan ja mal hier im Kindergarten. Immerhin ist er hier ganz in deiner Nähe.“ Mit diesen Worten wies Mama mit einer Handbewegung in die Richtung, in die Stefan gekrabbelt war und zwinkerte. „Es kann doch gut sein das du ihn hier einmal wieder irgendwo siehst.“

Bei diesen Worten kam ein sanftes Lächeln zurück in Isas Gesicht und die Tränen wurden etwas weniger. „Ja, du hast Recht“, sagte Isa zu ihrer Mama und wischte sich mit dem Ärmel ihres Oberteils die Tränen aus dem Gesicht. „Eventuell besucht er mich ja wirklich einmal. Und wenn nicht, dann weiß ich zumindest, dass er gar nicht so weit weg ist.“ Diese Vorstellung schien ihr zu gefallen. Und so dauerte es nicht lange bis der Kummer über den Abschied aus ihrem Herzen verflogen war, und sie fröhlich lächelnd zusammen mit ihrer Mama zum Auto ging.

„Was hältst du davon, wenn wir ein Eis essen fahren?“, fragte Mama, als sie beide im Auto saßen und los fuhren. „Au ja“, jubelte Isa auf dem Rücksitz. Auf Eis hatte sie immer Lust, so gerne mochte sie es. Und so fuhren sie gemeinsam zu ihrer Lieblings-Eisdiele mit dem – wie sie fanden -, leckersten Eis überhaupt.

„Weißt du was Mama?“, sagte Isa, als sie gemeinsam in der Sonne saßen und ihr Eis aßen. „Stefan war ein richtig toller Käfer!“ Zufrieden schleckte Isa ihr Eis und Mama musste unwillkürlich über Isas Aussage lachen. „Ja, da hast du absolut Recht. Stefan war ein wirklich toller und ganz besonderer Käfer.“

Autorin: Andrea Laukamp


Das Hörspiel zur Geschichte:


Kann sein das sich in meine Geschichte der eine oder andere kleine Felher eingeschlichen hat. Für den Fall das Dir ein solcher beim Lesen aufgefallen ist, darfst Du ihn gerne behalten. ;-)

Wolken

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Andrea

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